Hey, Bro! Ein gewöhnliches Cannabisblatt: Blattstiel, auseinanderlaufende Finger, gezähnter Rand. Und direkt auf diesem Blatt sitzt ein kleiner Bud. Der erste Gedanke ist, dass sich hinter dem Blatt ein Zweig versteckt, aber der Bud wächst auf dem Blatt selbst. Die Blüten sind dort entstanden, wo sie normalerweise nicht wachsen.

In englischsprachigen Diskussionen heißen solche Funde leaf buds, buds on leaves, manchmal auch piggyback. Im Russischen hat sich die ebenso einfache Bezeichnung „Blüten auf Blättern“ eingebürgert. Der Ausdruck ist umgangssprachlich.
Eine einzelne Sorte, einen Begründer oder eine Erblinie gibt es für dieses Merkmal nicht. Es gibt Beschreibungen, die lange vor den sozialen Medien veröffentlicht wurden, Beobachtungen an verschiedenen Pflanzen und eine botanische Frage: Wie kam ein Blütenspross in Verbindung mit einem Blatt?
Wie ein gewöhnlicher Knoten aufgebaut ist
Ein Cannabis-Bud ist ein Blütenstand: viele kleine Blüten, Hochblätter und stark verkürzte Seitenäste. Deshalb kann „auf dem Blatt ist ein Bud gewachsen“ sowohl eine kleine Blütengruppe als auch ein komplexeres Gebilde bedeuten.
Ein gewöhnliches großes Blatt ist mit dem Blattstiel am Stängel befestigt. In der Blattachsel, an seiner Basis, entwickelt sich ein Seitentrieb, daneben liegen die übrigen Strukturen des Knotens. Diese sich wiederholende Organisation wurde in einer Studie von 2019 zur Architektur weiblicher Cannabis-sativa-Pflanzen ausführlich untersucht. Spitzer-Rimon und Kollegen
Beim Mutanten sitzen die Blüten weiter vom Knoten entfernt: am Blattstiel oder dort, wo er in die auseinanderlaufenden Teilblätter übergeht. Auf einem Foto sieht das aus wie eine kleine Spitze direkt auf dem Blatt.
Ein Bud, den ein Blatt nur verdeckt, gilt nicht als Blatt-Bud. Kleine Blätter in einem gewöhnlichen Blütenstand sind ebenfalls eine andere Erscheinung. Ähnliche Fotos können einen unterschiedlichen Aufbau zeigen.
Robert Clarke, 1981
Eine der frühen schriftlichen Beschreibungen steht in Robert Connell Clarkes Buch Marijuana Botany, das 1981 erschien. Das Erscheinungsjahr der ersten Ausgabe bestätigt der Bibliothekskatalog des Botanischen Gartens Toronto. Bibliografischer Eintrag
Im Abschnitt über Blattmerkmale beschreibt Clarke eine kolumbianische Die erste Generation aus einer Kreuzung zweier Eltern. F1 ↗-Pflanze. Auf zwei ihrer Blätter entstanden kleine Gruppen weiblicher Blüten, auf der Oberseite am Übergang vom Blattstiel zu den Teilblättern. In einer Gruppe gab es eine teilweise ausgebildete männliche Blüte. Danach nennt der Autor ein gesondertes Beispiel aus Afghanistan: kleine Blütengruppen an den Stielen großer Blätter. Die Erblichkeit dieser Abweichung bezeichnet Clarke als unbekannt. Marijuana Botany, Kapitel 3, Abschnitt Leaf Traits
Bei Clarke gibt es zwei verschiedene Herkünfte, eine kolumbianische und eine afghanische, und Blüten in mehreren Positionen auf dem Blatt.
Clarke beschrieb die ihm bekannten Fälle, und 1981 ist das Erscheinungsjahr dieser Beschreibung. Die Beobachtungen selbst liegen früher.
Epiphyllie
Organe auf einem Blatt nennen Botaniker Epiphyllie. Für Blüten ist der Ausdruck „epiphylle Blüten“ gebräuchlich: Das Gebilde sitzt auf dem Blatt oder ist auf eine für diese Pflanzenform ungewöhnliche Weise mit ihm verbunden.
Solche Konstruktionen kommen auch bei anderen Pflanzen vor. In einer Arbeit von Randall Kerstetter und Sarah Hake von 1997 werden zum Beispiel Tolmiea mit Sprossen am Übergang von Blattstiel und Blattspreite und Kalanchoe mit jungen Pflänzchen am Blattrand besprochen. Die Autoren unterscheiden zwischen der Verlagerung oder Verwachsung eines gewöhnlichen Achselmeristems und der Entstehung eines echten adventiven Sprosses. Shoot Meristem Formation in Vegetative Development
Ein Meristem ist ein Zellbereich, aus dem neue Organe entstehen. Liegt eine solche Zone an einer ungewöhnlichen Stelle, verändert sich der gewohnte Bauplan der Pflanze.
Im einen Fall ist ein Spross durch Besonderheiten der gemeinsamen Entwicklung mit dem Blatt verbunden. Im anderen bildet sich auf dem Blatt eine neue Wachstumszone. Welche Variante bei einer bestimmten Cannabispflanze vorliegt, zeigt die Untersuchung der Gewebeentwicklung.
Das Gen KNAT1
1996 veröffentlichten George Chuck, Cynthia Lincoln und Sarah Hake eine Arbeit zum Gen KNAT1 bei Arabidopsis. Bei ungewöhnlicher Aktivität dieses Gens wurden die Blätter gelappt, und an den Blattadern entstanden zusätzliche Meristeme. Was aus ihnen wuchs, hing von der Position des Blattes ab, darunter traten auch Blütenstrukturen auf. KNAT1 induces lobed leaves with ectopic meristems
Die Grenze zwischen Blatt und Spross halten die Entwicklungssysteme der Pflanze aufrecht. Ändert sich ihre Arbeit, verschiebt sich die Grenze.
Der Versuch mit KNAT1 zeigt, dass ein solcher Umbau bei Pflanzen möglich ist. Durchgeführt wurde er an Arabidopsis.
Eine verbreitete Erklärung für Buds auf Blättern lautet „zu viele Hormone“. Hormone sind an der Entwicklung der Pflanze beteiligt, aber die Ursache bei einem bestimmten Exemplar nennt diese Erklärung nicht.
Rollitup, 2012
Am 16. Januar 2012 eröffnete der Nutzer djrequiem auf Rollitup das Thema Unusual Budsites. Er beschrieb zusätzliche Gebilde auf Blättern und stellte Fotos ein. Später im selben Thread bezeichnete er die Pflanze als Blueberry von Dutch Passion. Andere Teilnehmer berichteten von ähnlichen Funden an Pflanzen mit anderen Namen. Diskussion Unusual Budsites
Dieser Beitrag hat ein Datum, den Nutzernamen des Beobachters, eine Beschreibung und Fotos. Den Sortennamen nannte der Teilnehmer selbst.

Im selben Thread brachten manche das Merkmal mit Vererbung in Verbindung, andere mit den Bedingungen, und einige erinnerten sich an ähnliche Pflanzen.
In einer Diskussion vom 29. Mai 2022 tauchen beide Namen auf: leaf buds und piggy back mutation. Beide sind umgangssprachlich, aus dem Wortschatz der Grower. Datierte Diskussion der Bezeichnung
Cannabis chinensis
Im Thread von 2012 brachten Teilnehmer auch Cannabis chinensis ins Spiel, als verrate ein Bud auf dem Blatt einen alten chinesischen Cannabistyp. Diese Version taucht später auch in anderen Diskussionen auf.
Den Namen Cannabis chinensis gibt es. Die Datenbank Plants of the World Online der Royal Botanic Gardens, Kew, datiert seine Veröffentlichung durch Alfred Delile auf 1849 und führt ihn als Synonym von Cannabis sativa. Eintrag bei Kew
Ein historischer Überblick im Jahrbuch des US-Landwirtschaftsministeriums von 1913 verbindet diese chinesischen Pflanzen mit Samen, die 1846 nach Frankreich gelangten. In dem Bericht kommen Hébert, Itier, Delile und Vilmorin vor, es geht um hochwüchsigen chinesischen Hanf und seine Unterschiede zu den gewöhnlichen europäischen Formen. USDA Yearbook, Abschnitt Hemp
Das ist eine Geschichte des hochwüchsigen Hanfs aus dem 19. Jahrhundert. An Buds auf Blättern lässt sich weder das Herkunftsland einer Pflanze bestimmen noch eine eigene Art abgrenzen.
Der Name selbst ist echt. Mit Buds auf Blättern haben ihn Forenteilnehmer verbunden.
Drunken Bastard F3 #16
Die Fotos in diesem Abschnitt zeigen Drunken Bastard F3 #16 mit Blütengebilden auf den Blättern. Diese Pflanze stammt aus dem Archiv von mutant.farm.
Das Merkmal war lange vor dieser Linie bekannt: Clarke beschrieb es 1981. Ähnliche Gebilde kommen auch an Pflanzen mit gewöhnlichem gefingertem Blatt vor, daher weisen sie allein nicht auf eine Verwandtschaft mit ABC hin.
Blattform, Position eines zusätzlichen Blütenstands und Geschlecht einzelner Blüten sind drei getrennte Merkmale, auch wenn sie an derselben Pflanze auftreten.
An Clarkes kolumbianischer Pflanze gab es die teilweise ausgebildete männliche Blüte nur in einer Gruppe, die übrigen Blüten waren weiblich.
Wer was beigetragen hat
Clarke sammelte und beschrieb Beispiele. Botaniker untersuchten, wie Meristeme außerhalb ihrer gewohnten Position entstehen. Forenteilnehmer bewahrten Fotos auf. Archive von Züchtern ergänzten neue Exemplare mit eigenen internen Bezeichnungen.
Jede Quelle beantwortet ihre eigene Frage: wer das Merkmal festgehalten hat, an welcher Pflanze, wie es aussah und was über den Mechanismus bekannt ist.
Gedruckt beschrieben ist das Merkmal spätestens seit 1981.
Häufige Fragen
Ist das eine neue Cannabisart?
Nein. Die Position der Blüten bestimmt keine Art. Cannabis chinensis ist ein alter Name, den Kew als Synonym von Cannabis sativa führt.
Kann man das Epiphyllie nennen?
Ja, wenn das Gebilde tatsächlich mit dem Blatt verbunden ist. Der Begriff ist beschreibend: Er sagt nicht, ob sich ein Spross verlagert hat, Gewebe verwachsen sind oder ein neues Meristem entstanden ist.
Ist es ein einzelnes bekanntes Gen?
Ein bekanntes Beispiel ist das Gen KNAT1 bei Arabidopsis. Für Cannabis ist kein solches Gen benannt.
Wird das Merkmal an Nachkommen weitergegeben?
Clarke ließ die Frage der Erblichkeit 1981 offen. Verschiedene Fälle können unterschiedlicher Natur sein, wie Tolmiea, Kalanchoe und KNAT1 zeigen.
Unterm Strich
Die Geschichte der Buds auf Blättern setzt sich aus mehreren Quellen zusammen: Clarkes Aufzeichnung von 1981, Studien zur Pflanzenentwicklung, Forendiskussionen und dokumentierte Pflanzen aus dem Archiv von mutant.farm.
Die Version vom chinesischen Vorfahren aus dem Thread von 2012 stützt sich auf einen echten Namen, doch die Geschichte dieses Namens ist mit hochwüchsigem Hanf des 19. Jahrhunderts verbunden.
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